Wie uns das “Gewohnte” ein Bein stellt

Ich habe mal eine Weile in Sao Paulo gelebt. Und irgendwann habe ich dort Wäscheklammern gebraucht. Ich hatte das natürlich in den Reisevorbereitungen nicht vorgesehen und musste also welche kaufen.

Ich bin zum nächsten größeren Supermarkt gefahren und habe angefangen zu suchen…ewig lange und ergebnislos. Ich wusste natürlich auch nicht, wie die Dinger auf Portugiesisch heißen und hatte daher auch mit den Fragen keinen Erfolg.

Resigniert bin ich wieder nach Hause gefahren und habe am nächsten Tag meinem Chef von meinem „Leid“ erzählt. Er hat mit dann ein paar von seiner Frau mitgebracht.

Als ich diese Wäscheklammern sah, kam mir die Erkenntnis: Die gab es auch im Supermarkt! Ich habe sie gesehen…nur leider nicht als Wäscheklammern erkannt, sie sahen so völlig anders aus als die „deutschen“ Wäscheklammer.

Und ich war zu „paradigmatisiert“ um ihre Funktion zu erkennen….

Ich dachte immer, ich sei ein flexibler, kreativer Mensch mit Sinn für Improvisation…aber nicht kreativ genug, um diese, funktional absolut brauchbaren, Wäscheklammern als „funktions-erfüllend“ zu erkennen.

Ich habe mir angewöhnt, nicht mehr nach einem bestimmten Objekt (Form, Farbe, Material) zu suchen sondern nach etwas, das in der benötigten Funktion erfolgreich genutzt werden kann…also mehr nach „nicht-zerstörender Fixier-Funktion auf Schnur“ als „längliche 2-teilige Plastik-Dinger mit Metall-Feder-Verbindung“….

Manchmal schaffe ich das ganz gut…manchmal gar nicht

Neutrale Analyse einer Situation

Warum ist es so schwierig, Situationen oder Probleme neutral zu analysieren? So schwierig, dass man dazu öfter mal Berater benötigt? Nach einigen Gesprächen heute glaube ich noch mehr als sonst, dass es so schwierig ist, weil man in jede Analyse das eigene Leben mit all seinen guten und schlechten Erfahrungen, Vorlieben und Abneigungen, unbewusst mit einfließen lässt. Ich sehe, was ich zu sehen erwarte….ich verstehe, was ich immer in solchen Situationen verstanden habe. Ich übersehe, was ich schon immer übersehen habe…..weil ich ein Mensch bin.

Man findet die Analyse dann “ziemlich objektiv”….und alle Schlussfolgerungen werden unbeabsichtigt eine mehr oder weniger starke persönliche “Färbung” haben.

Wenn man es nicht bewusst verhindert. Nein….eigentlich glaube ich sogar, dass man auch bewusst nur bis zu einem gewissen Grad verhindern kann, die eigene Historie “mit” zu verarbeiten.

Also ist die Herausforderung in einer Analyse aus meiner Sicht:

  • So wenig wie möglich die eigene Historie als Mess- und Vergleichsmaßstab zu verwenden
  • Sich darüber klar zu sein, dass trotz aller Anstrengung, es nicht zu erlauben, doch ein “individuell gefärbter” Anteil in der Analyse mit drin sein wird
  • Heraus zu bekommen, was dieser Anteil ist, indem man alle Ergebnisse der Analyse durch andere “Quellen” oder durch einen bewussten Blick aus einer anderen Richtung verifiziert.

Und das alles, während man versucht, eine, wahrscheinlich problematische und komplexe, Situation zu durchdringen.

…..für die man dann mit allen eigenen Erfahrungen, selbst erprobten und allgemein bewährten Methoden und weiteren Informationen eine Lösung entwickelt….ha!