Wie uns das “Gewohnte” ein Bein stellt

Ich habe mal eine Weile in Sao Paulo gelebt. Und irgendwann habe ich dort Wäscheklammern gebraucht. Ich hatte das natürlich in den Reisevorbereitungen nicht vorgesehen und musste also welche kaufen.

Ich bin zum nächsten größeren Supermarkt gefahren und habe angefangen zu suchen…ewig lange und ergebnislos. Ich wusste natürlich auch nicht, wie die Dinger auf Portugiesisch heißen und hatte daher auch mit den Fragen keinen Erfolg.

Resigniert bin ich wieder nach Hause gefahren und habe am nächsten Tag meinem Chef von meinem „Leid“ erzählt. Er hat mit dann ein paar von seiner Frau mitgebracht.

Als ich diese Wäscheklammern sah, kam mir die Erkenntnis: Die gab es auch im Supermarkt! Ich habe sie gesehen…nur leider nicht als Wäscheklammern erkannt, sie sahen so völlig anders aus als die „deutschen“ Wäscheklammer.

Und ich war zu „paradigmatisiert“ um ihre Funktion zu erkennen….

Ich dachte immer, ich sei ein flexibler, kreativer Mensch mit Sinn für Improvisation…aber nicht kreativ genug, um diese, funktional absolut brauchbaren, Wäscheklammern als „funktions-erfüllend“ zu erkennen.

Ich habe mir angewöhnt, nicht mehr nach einem bestimmten Objekt (Form, Farbe, Material) zu suchen sondern nach etwas, das in der benötigten Funktion erfolgreich genutzt werden kann…also mehr nach „nicht-zerstörender Fixier-Funktion auf Schnur“ als „längliche 2-teilige Plastik-Dinger mit Metall-Feder-Verbindung“….

Manchmal schaffe ich das ganz gut…manchmal gar nicht